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Sonntag, 15. Dezember 2013

ALOIS NEBEL - jetzt der Film auch auf Deutsch!

Über ALOIS NEBEL habe ich schon berichtet sowohl über das
Komikbuch als auch über den Film

Jetzt kann man den Film auch in deutschen Kinos sehen... in Freiburg läuft er in HARMONIE
die Termine sind:

Sonntag. Dienstag, Mittwoch jeweils um 21 Uhr.

Vielleicht wird auch verlängert in der nächste Woche, aber mit den Wiedemann Kinos darf mann nie sicher sein.... Also, nicht verpassen! Es lohnt sich!!!

Hier ist der offizielle deutsche Trailer:

....und noch ein Kritik von Andreas Platthaus aus der Frankfurter Allgemeine

Das lange Warten hat sich gelohnt: „Alois Nebel“ kommt tatsächlich noch in die deutschen Kinos. Vor mehr als zwei Jahren wurde der tschechische Zeichentrickfilm auf dem Festival in Venedig vorgestellt und gefeiert, im Jahr darauf erhielt er den Europäischen Filmpreis in der Sparte Animation. Auch der von Jaroslaw Rudis geschriebene und von dem Illustrator und Sänger Jaoromír99 gezeichnete Comic, auf dem der Film beruht, hatte auch auf Deutsch Furore gemacht. Was muss denn noch geschehen, bis sich ein deutscher Verleih bequemt zuzugreifen?

Umso schöner ist, dass das relativ kleine Unternehmen Neue Visionen es nun doch noch gewagt hat. „Alois Nebel“ zeigt, wozu das europäische Kino imstande ist - nicht nur in Frankreich, wo zuletzt die einzig ernstzunehmende Konkurrenz zum übermächtigen amerikanischen Trickfilm herstammte, sondern auch wieder im traditionsreichen Animationsland Tschechien, dessen große Erfolge auf diesem Feld mit dem Zusammenbruch der staatlichen Filmproduktion nach 1989 erledigt schienen. Es ist somit mehr als nur ein Augenzwinkern, dass „Alois Nebel“ ausgerechnet in jener Wendezeit angesiedelt ist.


Die Unsicherheit dieses Umschwungs ist die Folie, vor der eine Geschichte erzählt wird, die bis 1945 zurückreicht, zur Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei. Rudis und Jaromír99, Jahrgang 1972 und 1963, stammen beide aus dem Grenzgebiet zu Deutschland und siedelten die Handlung ihres von 2003 bis 2005 erschienenen Comics im Altvatergebirge an. Bei der Deportation aus dem Städtchen Bílý Potok (früher Weißbach) will sich eine junge Tschechin ihrem deutschen Geliebten anschließen, doch dessen tschechischer Nebenbuhler erschießt den Rivalen und zwingt die Frau zum Bleiben. Fast ein halbes Jahrhundert später holt dieses Geschehen die Überlebenden und deren Nachkommen ein.

Schwarzweiß mit wunderbaren Graustufen
Ein dunkler Stoff also, und wie schon der Comic ist auch der von Tomás Luňák gedrehte Trickfilm in Schwarzweiß gehalten - mit wunderbaren Graustufen, die eine herbstliche und winterliche Landschaft modellieren. Der Beginn ist geradezu ein Manifest für die Möglichkeiten klassischer Animation: Kein 3D, und dennoch ist die Panoramafahrt übers windumtoste Gebirge ein Lehrstück in räumlicher Illusion. Kein Computerrealismus, sondern klassisch rotoskopierte Szenen, die also zunächst mit echten Schaupielern gedreht und dann vollständig überzeichnet wurden. Im Gegensatz zu früheren Zeiten, als so etwas in Animatorenkreisen als ehrenrührig galt, wird es hier geradezu ausgestellt.

Man hat selten natürlichere Bewegungen im Trickfilm gesehen. Wobei die Gesichter ganz nach dem Vorbild des Comics auf eine reduzierte Weise modelliert werden, die die Faszination von Jaromír99 für die Holzschnittbücher von Frans Masereel beweist. Gut und böse sind leicht unterscheidbar, und mit dem Titelhelden Alois Nebel, dem Stationsvorsteher von Bílý Potok, haben Rudis und Jaromír99 den Inbegriff eines kleinen Beamten geschaffen, der erkennbar in einer Reihe steht, die mit Hasek und Kafka beginnt und sich bis Hrabal durch die tschechische Literaturgeschichte zieht.

Keine Farce, sondern Groteske
„Alois Nebel“ ist wie auch diese Vorläufer keine Farce, sondern Groteske vor denkbar ernstem Hintergrund. Schon den Mut, das immer noch heikle Thema der Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg zum Kern einer Geschichte zu machen, ist zu bewundern, und der Name Alois Nebel verweist natürlich auch auf deutsche Abstammung. Im Film ist gegenüber dem Comic die Vergangenheit zurückgedrängt, aber nicht zuungunsten der Vertreibungsgeschichte, sondern durch Kappung von noch weiter zurückreichenden Reminiszenzen, wodurch „Alois Nebel“ im Kino noch mehr die Partei der Deutschen zu nehmen scheint. Doch der weit überwiegende Teil spielt 1989 und 1990, als Nebel durch eine Intrige seines Postens enthoben und in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen wird. Nach der Entlassung erobert er sich durch die Liebe seinen Platz auf einer veränderten Welt zurück.

Wie der Langfilmdebütant Luňák den politischen und gesellschaftlichen Wandel aus der Sicht von Menschen zeigt, zu denen Neuigkeiten wie der Fall der Mauer oder die Wahl Václav Havels zum tschechischen Präsidenten zunächst nur durchs Radio durchdringen, das ist eindrucksvoll. Das Zusammenfügen der Einzelteile erfordert mehr Kombinationsvermögen als die auch schon recht assoziativ erzählte Comicvorlage. Doch all das verstärkt den Reiz des Films noch, und selbst wer sich nur auf die Stimmungsphänomene einlässt, die Luňák erschafft, wird dieses Kinoerlebnis nicht so rasch vergessen.

ALOIS NEBEL - offizielle Deutsche Komikseite

Freitag, 15. März 2013

Urban Balkan Disco im Ruefetto!



ab 22:00 geht es los!
und hier ein Link zu meinem
Playlist Preview
bei

(einfach auf den Bild klicken)


Mittwoch, 26. Oktober 2011

Juri Andruchowytsch liest in Freiburg

Andruchowytsch's Roman "Perversion" ("Перверзія" auf Ukrainisch)aus dem Jahr 1996 erscheint jetzt auf Deutsch...

Der Ukraimische Schriftsteller kommt wieder mal nach Freiburg und liest aus seinem Roman auf Deutsch. Die Lesung findet am Freitag, 28. Oktober um 20 uhr im Weingut Andreas Dilger, Urachstraße 3. statt (Nicht Urachstrasse 40, wie es in der BZ steht!)

Und weiter aus der BZ vom Mittwoch, 26. Oktober:
"Das wäre ja nun wirklich eine verrückte Idee, sagt der Schriftsteller Stanislaw Perfecki im Interview: Über Venedig zu schreiben. Was es da denn noch zu schreiben gäbe? "Nein, so blöd bin ich nicht." Und schon ist man eingetreten in den ersten Kreis der Spiegelungen, der immer weitere Kreise nach sich ziehen wird, bis man sich in ihnen verloren hat wie im Gassengewirr der Lagunenstadt selbst. Für den russischen Literaturtheoretiker Michail Bachtin war der Karneval die Umkehrung der herrschenden Machtstrukturen; sein Begriff der Dialogizität beschrieb eine Literatur, die sich den Herrschaftsmustern des Konventionellen verweigert und jede Form zulässt. Ein vielstimmiger Chor von Stimmen, Stilen, Diskursen, die zum parodistischen Ganzen zusammenfließen. Unernst bis zur äußersten Grenze – das kann höchst anstrengend werden.
In diesem Sinne ist "Perversion", Juri Andruchowytschs 1996 erschienener und nun von Sabine Stöhr in einem Herkulesakt übersetzter Roman, Literatur gewordene Theorie. Das mag seinerzeit nicht nur vom Autor selbst als ein triumphaler Befreiungsschlag empfunden worden sein: Alles ist erlaubt, also macht man es auch. Es stellt sich gerade im Fall von "Perversion" mehr noch als beim Vorgänger "Moscoviada" die Frage: warum eigentlich? Warum all diese doppelten und dreifachen und vierfachen Böden? Wozu die Selbstverständlichkeit, mit der psychedelische Halluzinationen, feministische Rhetorikgewitter und konventionelle erzählerische Passagen gleichberechtigt nebeneinander stehen?
Andruchowytsch verknüpft die russische Tradition des Absurden mit dem Post- oder Postpostmodernen, und das geht im konkreten Fall so: Der ukrainische Dichter und Undergroundstar Stanislaw Perfecki kommt auf verschlungenen Pfaden nach Venedig, um an dem von einem greisen Adligen initiierten Kongress "Post-karnevalistischer Irrsinn der Welt: Was dräut am Horizont?" teilzunehmen. Dort dräut eine ganze Menge, zumeist Unheilvolles. Zusammengehalten wird der Wust disparater Schriften von einem Herausgeber mit dem Kürzel "J.A.", der nach dem vermeintlichen Selbstmord Perfeckis in Venedig nicht nur, wie das Testament verrät, Rilkes gesammelte Werke in sechs Bänden, sondern auch die auf diversen Medien gespeicherten Aufzeichnungen Perfeckis erbt. Perfecki verliebt sich auf dem Weg von München nach Venedig in die auf dem Kongress tätige Übersetzerin, die wiederum ihrerseits im Auftrag einer diffusen Organisation den Schriftsteller überwacht und regelmäßige Berichte abfasst. Auch die stehen, versteht sich, im Roman.
Das Labyrinthische ist Programm, so wie das Spiel. "Der Gestank des Wassers, der Geruch der Frauen, die sterbenden Gebäude, das Gras in den Ritzen zwischen den Steinen, die billigen Kaschemmen, die sentimentalen Geschichten, an die man hier mehr glaubt als an die Bibel, die halb zerfallenen Bücher, wässrigen Weine, feuchten Wände, Atlaskissen, Flaschen von tausend Kalibern, Tauben, Touristen, Huren, Gespenstern" – all das wird in voller Ironie und heiligem Ernst zugleich beschworen. Das grandioseste Kapitel spielt auf der Friedhofsinsel San Michele, wo Perfecki sich mit dem Vikar grausam betrinkt und in einen verbalen theologischen Ringkampf einsteigt. Wenn er sich nicht selbst formale Zügel anlegt, ist Juri Andruchowytsch ein mitreißender Erzähler.

Dazu würde ich noch hinzufügen, daß dieser Roman inspirierte die ukrainische Rockband HAYDAMAKY zum ihren Album aus dem Jahr 2005, das auch so wie der Roman "Perversion" heißt, in Deutschland erschien die Platte unter dem Namen "Ukraine Calling" ein Jahr später bei dem berliner Label "Eastblok Musik"

Donnerstag, 15. April 2010

SHANTEL IN ISTANBUL FESTGESETZT - 2

Frankfurt: 15.04.2010 10:30 Uhr:

Essay Recordings Künstler SHANTEL nimmt Stellung zu seiner Festsetzung:

“Nachdem ich in den letzten Jahren unzählige Male die Türkei besucht habe und dort wunderbare Konzerte, Partys und TV-Shows spielen durfte, wurde mir gestern am Istanbuler Atatürk Airport die Einreise verweigert. Ich war auf der Durchreise; am Abend sollte ich ein Konzert in Ankara geben. Während der obligatorischen Passkontrolle nahm man mir meinen Reisepass und das Flugticket ab. All dies geschah ohne Angaben von Gründen.
Danach verbrachte ich über 10 Stunden im Transitbereich des Flughafens, wurde nicht über weitere Schritte informiert, es gab auch nichts zu essen und zu trinken. Gegen 20:30 Uhr wurde ich von der Polizei in den letzten Flug nach Frankfurt am Main eskortiert und musste auf direktem Weg die Türkei wieder verlassen. Das Konzert in Ankara wurde abgesagt.
Die Behandlung durch die türkische Flughafenpolizei war ausgesprochen gut. Ich hatte den Eindruck, dass den örtlichen Beamten der ganze Vorgang unerhört peinlich war. Alle ließen sich mit mir fotografieren und boten mir im Fall des Falles an, die Nacht auf dem Sofa des Chefs der Flughafenpolizei zu verbringen." (Ende O-Ton)

Essay Recordings und Guilty76 Artistmanagement wird mit seinem
türkischen Partner-Label Doublemoon versuchen diesen Vorgang weiter
aufzuklären. Es bestehen für das laufende Jahr schon eine ganz Reihe weiterer Einladungen zu Festivals & Clubshows in der ganzen Türkei. Dieser Vorgang hat uns sehr erstaunt: SHANTEL hat in den letzten 5 Jahren mit vielen türkischen Musikern zusammengearbeitet und in zahllosen Interviews immer seine Begeisterung für Land und Kultur formuliert. Auch unserer türkischer Partner, der unter anderem den weltbekannten Club Babylon in Istanbul betreibt und dort in den letzten 10 Jahren Hunderte von Konzerten mit nicht-türkischen Künstlern veranstaltet hat, kann sich diese Situation nicht erklären.

Quelle: Shantel/Essay Recordings & Guilty76 Artistmanagement

Mittwoch, 14. April 2010

SHANTEL IN ISTANBUL FESTGESETZT!!!!!

Istanbul/Frankfurt: 14.04.2010 16 Uhr:

Doppelplatin Künstler SHANTEL in Türkei festgesetzt. Heute morgen um 10:40 wurde der Frankfurter Popmusiker SHANTEL auf dem Weg zu einer Show an der Einreise in die Türkei gehindert. Es wurde die Vorlage bisher nie gefragter Dokumente verlangt. In den letzten 5 Jahren hat Shantel unzählige Konzerte & DJ Gigs in der Türkei gespielt. Er wird von einer lokalen Plattenfirma und Touragentur vertreten.

SHANTEL durfte einmal telefonieren, um seinen Status durchzugeben.
Weitere Kommunikation wird ihm verwehrt. Aus indirekten Quellen haben wir gehört, dass es ihm entsprechend der Lage gut gehen soll. Türkische Autoritäten wurden in Deutschland wie in Istanbul und Ankara schon vor Stunden eingeschaltet, um diese Angelegenheit oder wenigstens seine Rückreise nach Deutschland zeitnah zu lösen.

Essay Recordings, SHANTELS Label, hat gemeinsam mit seinem lokalen
Partner DoubleMoon mit großem Erfolg 4 Alben des Künstlers in der Türkei veröffentlicht: "Bucovina Club", "Disko Partizani", "Auf der anderen Seite/The Edge of Heaven" OST, "Planet Paprika". Seine Musik wird als Jingle des populärsten türkischen TV Senders benutzt. Er ist dort ein Popstar, den man auf der Straße erkennt, anspricht, Fotos macht…


Quellen: Essay Recordings & Guilty76 Artistmanagement

Donnerstag, 9. Juli 2009

Goran Bregovic auf dem ZMF: Schweißgetränkt und blechgestählt

Badische Zeitung über Bregovic:

Blasmusik steht in Deutschland vor allem für Gemütlichkeit. Beim Dorfhock kommt man eher selten in Ekstase. Auf dem Balkan ist das anders. Zum Guca-Festival strömen jedes Jahr Hunderttausende nach Südserbien, um sich drei Tage und Nächte lang von der Musik Hunderter Blaskapellen berauschen zu lassen. Gegen das Hochgeschwindigkeitsblech der Roma-Kapellen, deren Musiker von den Besuchern Geldscheine auf die schweißnasse Stirn geklebt bekommen, wirken mitteleuropäische Blasorchester wie Bummelzüge. Auch Goran Bregovics "Wedding and Funeral Band" hat schon auf diesem Festival gespielt, was in Teilen auf der aktuellen CD "Alkohol" als Live-Mitschnitt nachzuhören ist. Als der 59-jährige Musiker beim Freiburger ZMF die Bühne betritt, hat er ein paar 100-Euro-Scheine dabei, die er seinen Bläsern zwischen die Ventile der Instrumente steckt. Die lassen sich nicht lumpen und bieten ein zweieinhalbstündiges Blech-Spektakel. Nie zuvor waren Volkstänze, mit denen sich das enthusiastische Publikum in den Gängen vergnügt, so sexy, nie zuvor war Blasmusik so aufpeitschend. ......WEITER LESEN....


Badische Zeitung Mi.8.07.2009

Donnerstag, 2. Juli 2009

LA CHERGA Konzert bei Fudder.de

La Cherga im Spiegelzelt: Feurig scharfer Klezmer-Dub

Geheimtipps ziehen in Freiburg nicht. Wenn kein großer Name lockt, kriegt man die Bude einfach nicht voll. Und wenn dann noch die Balkan-Diaspora ausbleibt und die Alternativos für heute Abend ihre Tofu-Lasagne geplant haben, sieht’s halt leer aus, im Spiegelzelt. So gestern Abend bei La Cherga.

Ein paar Ethnologiestudenten/innen sind aber dennoch gekommen und mischen sich patschuli-selig unter die ZMF-typische Ü40-Fraktion. Irgendwann, als die Veranstalter sich für die innovationslahme Provinz genug fremd geschämt haben, rekrutieren sie vorm Zeltvorplatz kampfunerfahrene Party-Söldner, die mit Pommes und Merguez bewaffnet die Manege umstellen.

La Cherga gibt sich unbeeindruckt. Routiniert stellen die sieben Slawen ihr Debütalbum vor und knüpfen aus verschiedensten stilistischen Elementen einen bunten musikalischen Flickenteppich (= Tscherga). Gut, dass sie einen Schlagzeuger mitgenommen haben, dessen satte Bassdrum die zaghaft programmierten Beats des Tonträgers augenblicklich vergessen machen („Don’t Go This Way“); beeindruckend, wie souverän die Musiker aus Dub, Polka, Ska und Klezmer feurig-scharfen Ajvar garen. ........WEITER LESEN.....

Eine durchaus positive Beschreibung, was kann man dazu sagen? Vielleicht passt noch die erfreulische Feststellung, dass die Postgermanen schon wissen sollten, was Ajvar bedeutet.

Donnerstag, 12. Juni 2008

GABI LUNCA in der Badischen Zeitung

Unsere BZ hat gestern eine Art Rezension auf die CD von GABI LUNA gedruckt. Ich schrieb schon über dieses hervorragende Release von Asphalt Tango Records hier "GABI LUNCA in Sounds From A Bygone Age". Die CD ist einfach brilliant, und ich will noch mal sagen, dass ihr einziges Mankel ihre Kürze ist.  Hier ist der BZ-Text - eine positive Bewertung mit einem Hauch von westlicher ignorante Arroganz. Wie immer habe ich mir erlaubt, ein paar Kommentare hinzuzufügen.

CD: GIPSY: Die Königin der Zigeunermusik Gabi Lunca
Ihr Musikkritiker habt manchmal einen seltsamen Geschmack, sagt der Kollege, der mal kurz in die Platte hineingeschnuppert hat. Finden wir nun zumindest in dem Fall nicht. Gabi Lunca kennt hierzulande zwar keiner mehr (man kann denken, dass früher die Bundesbürger Schlangen gestanden haben, um sie Live zu erleben) und selbst in ihrer Heimat Rumänien dürfte sie nur noch den Älteren ein Begriff sein (dafür singen heute alle jungen Deutsche die Lieder von Katherina Valente und Roy Black). Und dagegen wollen wir anschreiben. Denn die Musik, die die " Tzinganca de matase — die Königin des Gipys" in den 1960ern und 70ern in Rumänien machte, geht auch heute noch ins Blut. Zusammen mit ihrem Mann, dem Akkordeonisten Ion Onorio, und Spitzenmusikern (Gitarre, Violine, Cymbal, Bass) schuf sie einen Musikstil, der die verschiedenen Elemente aus Zigeunermusik, rumänischer Folklore und Swing verschmelzen ließ (ah so... wie heißt dieser Stil also? Vielleicht wäre es nützlich, noch andere CDs aus der Reihe „Sounds From A Bygone Age“ zu hören?). In das Rumänien unter Diktator Ceausescu brachte diese Musik also einen Hauch vom weiten Westen (hat unser Autor überhaupt eine Ahnung von Ceausescu und dem Westen in den 60er-70er Jahren?). Faszinierend aus heutiger Perspektive ist dagegen eher das rumänische Idiom (und das zigeunerische  Idiom ist nicht mehr relevant? Wofür steht dann "gipsy" im Titel?). Zum Beispiel die Hora, jener Rundtanz, dessen rhythmischer Magie man sich nur schwer entziehen kann. Und dazu die rauchige, manchmal scharfe, manchmal ganz orientalisch-sinnliche Stimme Luncas: Das fetzt, Herr Kollege!   adi
 
Das Bildchen mit dem Originalartikel öffnet sich in einem neuen Fenster in voller Größe.

Montag, 2. Juni 2008

GoEast 2008 (1) Swarzkopf von EPD-Film


Die Journalistin Barbara Schwarzkopf hat einen Artikel über das GoEast Festival in Wiesbaden geschrieben und ich bekam den Eindruck, daß wir auf verschiedenen Festivals waren. Von dem was sie ganz am Anfang über das Ost-West Verhältnis schreibt, bekommt man eine Vorstellung über ihr eigenes Verhältnis zu Osteuropa, bzw. zum osteuropäischen Kino. Gewiss, man versucht bei westlichen Festivals das sogenannte Autorenkino einzuladen und Filme über große Probleme dort drüben zu zeigen. Es gibt aber ein ABER, beim GoEast 2008 wurden nicht nur solche Filme gezeigt, es gab auch witzigere Komödien, gute Unterhaltungsfilme, etc. Schließlich ist eines der Standbeine des Festivals das Kinosymposium. In diesem Jahr konnte man dort Dokumentarfilme aus dem ehemaligen Jugoslawien und den Nachfolgestaaten sehen und darüber diskutieren. Es ist schade, wenn, um eine Schnapsidee zu unterstützen, alles, was nicht dazu gehört, ausgelassen wird. In einem bin ich aber durchaus einverstanden, dass der beste Film PROSTYJE VESCHI aus Rußland kam und ich hätte ihm sogar den Hauptpreis gegeben. Übrigens im FILM DIENST gab es einen ganz anderen Blick auf dieses Festival, ich werde es bald beim SLAVONIC DANCES blog stellen.

Klassisch melancholisch
Festival des mittel- und osteuropäischen Films in Wiesbaden: Wahrhaftiger, tiefsinniger oder einfach nur deprimierender - das Kino Osteuropas reibt sich gerne am eigenen Klischee

Für das Verhältnis von Ost und West in Europa sind Filmfestivals ein geradezu verräterischer Indikator. In Westeuropa gibt es gleich mehrere, die sich ganz dem Filmschaffen Osteuropas verschrieben haben, in Osteuropa kein einziges, das sich in vergleichbarer Weise mäzenatisch um das Autorenkino des Westens bemüht. Was als großzügige Geste westlicher Kulturinstitutionen daherkommt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als besondere Anspruchshaltung: Der osteuropäische Film soll zumindest »anders« sein, »tiefer« und »wahrhaftiger« als die übliche Kinoware des Westens, warum sollte man ihn sonst pflegen und unterstützen? Das neu entstandene kommerzielle Genrekino des Ostens sieht man deshalb nur in Ausnahmen auf den Festivals des Westens. Dort bevorzugt man selbstverständlich das Autorenkino, das besonders »echt osteuropäisch« erscheint, je düsterer und existenzieller es zugeht. Womit ein eigenes Problem entsteht: Festivals wie Go East in Wiesbaden müssen sich laufend bemühen, bei der Auswahl des Programms nicht dem eigenen Klischee vom osteuropäischen Film aufzusitzen.
Der estnische Beitrag MAGNUS (Regie: Kadri Kousaar), der in diesem Jahr den Hauptpreis in Wiesbaden gewann, scheint auf jeden Fall den Beweis antreten zu wollen, dass im Hang zur schonungslosen Darstellung verheerender Zustände tatsächlich die besondere Stärke des osteuropäischen Films liegt. Nach einem wahren Fall gedreht, erzählt der Film von einem jungen Mann, der Selbstmord begeht, und seinem Vater, der ihn »gehen lässt«. Der Natur der Sache nach ist es ein deprimierender Film, dessen Wirkung noch verstärkt wird durch die Tatsache, dass die Rolle des Vaters gespielt wird vom »echten« Vater des Selbstmörders. In einer Art Epilog sieht man ihn mit einem kleinen Kind auf dem Schoß - heute würde er es nicht mehr so weit kommen lassen.
Dass die gesellschaftliche Krise in Osteuropa etwas mit der Unzuverlässigkeit oder der Abwesenheit von Vätern zu tun hat, wurde auch im polnischen Beitrag ALLES WIRD GUT deutlich. Dort versucht ein 10-Jähriger, ein Wunder für seine sterbenskranke Mutter zu erwirken, indem er zur Schwarzen Madonna in Tschenstochau läuft. Sein Sportlehrer drängt sich ihm als Begleiter auf - aus rein egoistischen Interessen. Der Vater des Jungen 
war Alkoholiker, weshalb der Junge messerscharf die wahren Probleme des Sportlehrers erkennt. So wundergläubig er sich als Pilger geriert, so pragmatisch weiß er mit dem Alkoholiker umzugehen. Und wie oft in Filmen, in denen Kinder an der Seite von Erwachsenen spielen, ist es nicht der Kleine, der lernen muss, sondern der Große. Statt des Wunders kommt es am Ende zu einer Andeutung von Hoffnung - immerhin.
Obwohl in der traurig-depressiven Grundtendenz geradezu »klassisch osteuropäisch«, gelang es dem serbischen Beitrag LIEBE UND ANDERE VERBRECHEN von Stefan Arsenijevic (in Wiesbaden ausgezeichnet mit dem Preis für beste Regie), die üblichen Klischees aufzugreifen und gleichzeitig zu durchbrechen. Dort plant Anica, die Geliebte des örtlichen Obermafioso, das Land zu verlassen. Stanislav, seine rechte Hand, weiß um ihre Pläne und will den letzten Tag noch nutzen, um ihr seine Liebe zu gestehen. Schon als kleiner Junge hat er sie verehrt, und nun zeigt er ihr die Orte, an denen sie zum ersten Mal das Wort an ihn gerichtet hat: »Geh nach Hause, du Rotznase!«
oder er sie zum ersten Mal nackt gesehen hat - heimlich durchs Fenster. Nach und nach überlagert die melancholische Liebesgeschichte das mafiöse Setting und statt von Gewalt erzählt der Film von der verheerenden Macht zarter Gefühle - es geht natürlich trotzdem nicht gut aus.
Das war beim schönsten Film des Festivals, dem russischen Beitrag EINFACHE DINGE (Regie: Aleksei Popogrebsky), anders. Dort hat es der Anästhesist Sergej im neuen Russland nicht weit gebracht (und wer hat es im neuen Rußland ihrer Meinung nach weit gebracht, Abramowitsch und Putin zusammen mit Medwedew? denkt die Autorin daß sie selbst weit gebracht hat? - bozhidar): Noch immer wohnt er in einer alten Kommunalwohnung, wo ein Georgier ins Gemeinschaftstelefon schreit und eine alte Frau grußlos durch die Küche schlürft. Für eine »gute Betäubung« lässt er sich gerne extra bezahlen. Als ihm seine Frau verkündet, dass sie noch ein Kind erwartet, sieht er sich dem nicht gewachsen. Der Film ist das mutige Porträt eines sympathischen, aber nicht ganz anständigen Menschen. Im Reich dieser Zwiespältigkeit entdeckt er eine großartige Fülle an Nuancen - eine Qualität, fьr die die osteuropäischen Filme einst besonders berühmt waren. Barbara Schweizerhof

Sergej Puskepalis als Anästhesist Sergej im Film PROSTYJE VESCHI / Einfache Dinge

Montag, 19. Mai 2008

Nightlife-Guru: BalkanBeats im Jazzhaus

Balkan-Sounds sind immer noch in: Beirut, Gogol Bordello und Shantel mit seinem Bucovina Club machen Musik, zu der bundesweit in Diskos und Clubs rumgehupst wird. Am Freitag war DJ Robert Soko mit seinen BalkanBeats im Jazzhaus. Der Nightlife-Guru von fudder.de hat den Abend der kritischen Prüfung unterzogen.
Um weiter zu lesen, den fudder.de drucken. Hinter diesem Link steht eine ganz andere Sichtweise auf den sogenannten Balkan.

Für den Guru wie für die meisten Deutschen ist Balkanmusik alles was SHANTEL macht, d.h. eine Mischung aus Club-Beats und Zigeunerbrass. Es ist gut einmal im Monat hinzugehen, Wodka zu saufen, eine wilde Nacht zu feiern, und dann wieder zu südbadischer (hessischer, byerischer, etc.) Normalität zurückzukehren. Die Frage lautet also, wo findet man die authentischste Balkanparty? Bei Shantel oder bei Soko's Balkanbeats? Bei dem, der angefangen hat, Partys für seine eigenen Landsleute zu veranstalten in Zeiten, als der Balkan für die meisten Bundesbürger synomym für Krieg stand, oder bei demjenigen, der die fremden Klänge für die heimischen Ohren adaptiert (sehr gut, muss man sagen)?
Ich glaube aber, dass die Echtesten drüben sind, nicht hier. Wer also echtes Balkanfeeling erleben will, muss nach Guca fahren, dort wo rund um die Uhr Hunderte von kleinen Bands spielen, wo Rotwein und Sliwowitz das Wasser ersetzen und ganze Ochsen am Spies gebraten werden und man nur 3-4 Stunden am Tag schläft, dort ist das Herz der Balkanmusik. Hier gibt es im besten Fall eine Balkanplatte im kroatischen Restaurant um die Ecke. 

Dienstag, 8. April 2008

RUSSKAJA in Freiburg

Hier aus der "Badische Zeitung" mit ein paar meiner Kommentare.
In der Luft "klatsch" machen
Gute Laune und leicht exotische Partymusik: Die Wiener Band Russkaja war im Freiburger Waldsee zu Gast
Der Name dieser Band hat drei Silben: Rus-Ska-Ja. Und damit ist fast schon alles gesagt. Der Sänger singt russisch, die Musiker spielen Ska, und das Publikum ruft bei jeder Erwähnung des Band-Namens euphorisch "Ja!" . Jetzt war die siebenköpfige Wiener Band auf Einladung der KGB-Bar im Freiburger Waldsee zu Gast.
Russkaja hat ein klares Anliegen. Sie wollen das Publikum mit guter und leicht exotischer Partymusik unterhalten. Dazu nehmen sie alte russische Melodien oder komponieren mit solchen Anklängen (Anm. B.: Sie covern auch gerne russische Hits.). Darunter legen sie harte Off-Beats mit Schlagzeug, Bass und Gitarre. Zwei Bläser sorgen für satten Sound und eine Geigerin für die gelegentliche folkige Note. Im Mittelpunkt steht aber Sänger Georgij Makazaria, der mit seiner kratzig-dunklen Stimme früher in Musicals gesungen hat und bei der österreichischen Metalband Stahlhammer. Er macht auch oft lustige Ansagen: "Ich will eure Hände in der Luft sehen, die dort, klatsch machen!"(Sein Akzent ist wirklich witzig, vielleicht ist das nur die Show, wer weiss?)
Schon beim ersten Song beginnen alle im schön gefüllten Waldsee zu hüpfen. Die gute Laune hält sich bis zum Schluss. Bei dieser Band ist fast alles High-Speed. Balladen gibt’s keine. Gelegentlich gönnt Makazaria dem Publikum einen Moment der Ruhe, singt eine Zigeunerweise, beschwört Geister oder erinnert an die Schwierigkeiten, einen sowjetischen Kleinwagen zu starten. Doch sofort setzt der Ska-Beat wieder ein, und die Party-Stimmung hat einen neuen Höhepunkt.
Makazaria ist gebürtiger Russe (Ich würde sagen, dass er genauso ein "gebürtiger Russe"ist wie Fatih Akin ein gebürtige Deutscher.), kam 1989 nach Österreich und ließ sich inzwischen einbürgern. "Ich singe zwar russisch, aber um uns zu verstehen, muss man kein Russisch können" , sagt er zu Beginn des Konzerts. Die Fremdsprache ist wohl nur so etwas wie ein weiteres exotisches Element für die Ska-Musik, wobei die schnelle Urform des Reggae auch in Russland durchaus populär ist.
Auf der Bühne tragen die Musiker rot-schwarze Kittel, eine kuriose Mischung aus Uniform und Schlafanzug-Oberteil. (Siehe meine Fotos hier.) Gelegentlich gibt es kleine Choreographien. Und auch das Publikum wird immer wieder einbezogen. Oft sind die Stücke so suggestiv-eingängig komponiert, dass man gar nicht anders kann, als an der richtigen Stelle mitzugrölen. Die Show von Russkaja ist berechnend, aber die Rechnung geht auf.
Die Band ist eine bunte Truppe. Die Bläser und der Gitarrist sind gebürtige Österreicher, der Bassist kommt aus der Ukraine, der Drummer ist Brite mit ungarischen Vorfahren, die Geigerin Deutsche mit russischem Namen. Alle sind ausgebuffte Profis, die schon in anderen Bands gespielt haben. Gleich im dritten Stück bekommt jeder ein Solo, um zu zeigen, dass hier Könner Party machen.
Zum Schluss demonstriert Sänger Makazaria wie man mit einem Megafon und einem Mikro täuschend echten Sirenensound produzieren kann. Ganz großer Alarm im Waldsee!

Samstag, 29. März 2008

KULTUR SHOCK (Fortsetzung) diesmal aus der Badischen Zeitung

Eine Hardcore Wunderwelt
Die Band Kultur Shock aus Seattle spielte in Freiburg

"Wir kamen, um eure Jobs wegzunehmen" . Mit diesem Vorurteil gegen Migranten provozieren sie gern, die sechs Musiker von der Band Kultur Shock aus Seattle, die im Freiburger Café Atlantik gastierten. "We came to take your jobs away" , so nannten sie sogar ihr letztes Album. Doch selbstbewusst setzen sie noch eins drauf und postulieren: "Einwanderer arbeiten härter" — was sie mit ihrem intensiven Konzert in Freiburg auch überzeugend bewiesen.

Kultur Shock ist eine echte Schmelztiegel-Band, menschlich und musikalisch. Der Sänger und ein Gitarrist sind gebürtige Bosnier, sie kamen einst als Flüchtlinge in die USA, der andere Gitarrist wuchs in Bulgarien auf, Geiger und Schlagzeuger sind Amerikaner, der Bassist kam aus Japan. Zusammen spielen sie Balkan-Hardcore, wie es ihn wohl kein zweites Mal gibt. Die beiden Gitarristen sind mit den ungeraden Rhythmen der Balkanfolklore aufgewachsen und setzen sie nun mit großer Präzision und noch mehr Härte auf ihren E-Gitarren um. Ansatzlos wechseln sie in Rock-’n’-Roll-Riffs à la "Sisters of mercy" oder in verträumt-jazzige Improvisationen. Atemberaubend.

Im Vordergrund steht aber Sänger Srdjan Yevdjevic, ein bulliger, wild aussehender Typ mit halbrasiertem Schädel, wildem Bart und einem Pferdeschwanz aus Dreadlocks. Früher in Bosnien war er ein Popstar und nannte sich "Gino" . Die glatte Popstar-Stimme setzt er aber nur noch gelegentlich ein, denn er kann eigentlich alles mit seiner Stimme, vom tiefsten Metalgrunzen bis zu falsett-artigem orientalischem Gesang. Auch Schauspieler war er schon, kein Wunder, dass er so furchterregend mit den Augen rollen kann.

Wohl selten gab es im Café Atlantik, das an diesem Abend ordentlich gefüllt war, ein so abwechslungsreiches Konzert. Jedes Stück von Kultur Shock war in sich ein kleines Kunstwerk, vorgetragen mit der Attitude einer exaltierten Garagenband. Vielleicht war dies der eigentliche Kulturschock an diesem Abend, dass nach den beiden eher konventionellen Vorgruppen — der Freiburger Grunge-Band Pandora’s Balls und dem Punk der Savants aus Tübingen — plötzlich diese Hardcorewunderwelt aus Seattle auf der Bühne stand. Wer wollte, konnte mit offenem Mund staunen — oder einfach nur Spaß haben, wie das Freiburger Publikum.

Das hymnische "Sarajevo" gab es weit nach ein Uhr nachts als Zugabe. Kultur Shock wollen wieder nach Freiburg kommen. Watch Out. Diese Band sollte man nicht (mehr) verpassen.

Geschrieben von Christian Rath in der Badische Zeitung vom Samstag, den 29. März 2008

Es gab leider in der BZ kein einziges Bildchen, dafür habe ich den Artikel eingescant. Und Konzertfotos gab es schon genug in der vorigen Post. Meiner Meinung nach hätten mehr Menschen kommen können, das ist das Einzige, worin ich diesem Artikel nicht beistimme. Ich gehe aber normaleweise nicht ins Atlantik zu Konzerten, deswegen kann ich es auch nicht genau beurteilen. Präsentiert haben die Musiker das Album "Live in Europe", das sie am 1. Dezember 2006 bei ihrem Auftritt in der bulgarischen Hauptstadt Sofia aufgenommen haben. Deswegen habe ich alle Lieder schon gekannt, was natürlich bei Konzerten immer gut ist, man kann halt auch 
mitsingen und noch mehr Spaß haben.

Freitag, 14. März 2008

DOBRANOTCH in Freiburg (Teil 2)

Die Fotos vom letzten DOBRANOTCH Konzert in Freiburg habe ich schon reingestellt. Wer sie noch nicht gesehen hat, schaue bitte hier rein. Am Mittwoch, den 12. März, erschien im Kulturteil der Badischen Zeitung noch ein lustiger Artikel über das Konzert, geschrieben von einem gewissen Joachim Schneider. Ihr könnt es hier lesen, das Bild ist vergrössbar.

Um meine Meinung dazu kurz zusammenzufassen – wir waren auf unterschiedlichen Konzerten! Ein Artikel über eine Balkanmusik-Band zu schreiben und das Wort Balkan bezüglich ihrer Musik nicht einmal zu benutzen zu einer Zeit, wo Balkanmusik fast zu einer Art deutscher Volksmusik geworden ist, das muss man können! Anscheinend ist Balkan für den Autor nur das, was Schantel & Co. machen, über Balkan-Beat hat er doch geschrieben. Vielleicht kamen nicht so viele Besucher (das stimmt leider) zum Konzert, weil viele Freiburger genauso denken. Shantel ist In und leidet nicht an Besucherzahlen, auch in Freiburg. Die Stadt ist eigentlich ein tiefes „Bäreneck“, was osteuropäische Musik angeht, davon habe ich schon früher viel gesprochen, als vor vier Jahren bei uns das BOBAN MARKOVIC ORKESTAR ein Open-Air-Konzert in der Stadtmitte gab, aber kaum mal 150 Menschen kamen. Das ist leider die Wahrheit.
Schneider schrieb auch über die russische Folklore als einen Bestandteil davon, die ich beim heutigen DOBRANOTCH überhaupt nicht raushören kann... Sie haben einmal russische Folklore gespielt, das war aber noch, als dort Natasha Smirnovskaya vor 7-8 Jahren sang. Vielleicht hat der Autor ein altes Pressrelease gelesen? Über die „Moldawier“ bei DOBRANOTCH will ich überhaupt nichts sagen, fragen sie lieber die Musiker selbst. Fragen sie am besten auch einmal nach, was denn auf Russisch „Gute Nacht“ heißt.

Überhaupt habe ich den Eindruck, dass die Deutschen die heutige Entwicklung Russlands als etwas Selbstverständliches hinnehmen. Sie bestätigt damit bloß ihre Stereotypen, deswegen kommt auch der Rote Platz in den Titel über eine Band aus St. Petersburg (!). Eigentlich reicht es hier im Herzen des Schwarzwalds, in der Greenest City der Welt, einen Konsalik-Roman zu lesen, um über Rußland alle nötigen Fachkenntnisse zu sammeln.
Manchmal denke ich mir: Sind vielleicht alle Artikel so geschrieben, auch über die USA, über Frankreich, selbst über Deutschland? Ist die Mehrheit der Artikel, die geschrieben werden, von vollkommen inkompetenten Menschen, nur aufgrund eines veralteten Pressreleases, oder mit der Hälfte, dem Drittel oder Viertel der nötigen Informationen?

Und wer hören will, wie die russische Folklore bei DOBRANOTCH klang, kann es hier hören. Das Lied heißt „Legonia“ vom Album „Chtob Dusha Razvernulas/Чтоб душа развернулась...“ aus dem Jahr 2001.