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Montag, 29. September 2014

GAAMER im Kommunalen Kino Freiburg

Für die Freilassung von Oleg Sentsov!


Am 11. Mai 2014 wurde der auf der Krim lebende ukrainische Filmemacher OLEG SENTSOV (*1976) durch den russischen Geheimdienst FSB in seiner Wohnung verhaftet und nach Moskau ausgeflogen. Seither befindet er sich Untersuchungshaft, die Anklage lautet: Planung terroristischer Aktionen auf der Krim.
Mit der Aufführung von Sentsovs Spielfilmdebüt „Gaamer“ protestieren wir gegen diesen Willkürakt und rufen zur Unterstützung des Regisseurs auf.
Die Europäische Filmakademie hat einen Fonds ins Leben gerufen, um den Ukrainer zu unterstützen. Aufmerksamkeit und Geld - laut der Europäischen Filmakademie (EFA) sind das die zwei Dinge, mit denen
OLEG SENTSOV  in seiner jetzigen Situation geholfen werden könne. Für beides soll der Fonds, den die EFA am Freitag (11.07.2014) eingerichtet hat, sorgen. Das Kommunale Kino Freiburg wird wie das Berliner Kino in der Brotfabrik alle Einnahmen der Kinovorstellung von GAAMER in diesen Soli-Fonds einzahlen, die Produzentin des Films verzichtet ebenfalls auf Ihre Beteiligung an den Einnahmen. 

Das Kommunale Kinob Freiburg zeigt den Film von OLEG SENTSOV
ГАМЕР / GAAMER
am Donnerstag 2. Oktober um 19:30
und Freitag 3. Oktober um 22:00


Der Film wird gezeigt in der originale Fassung: Russisch mit Englischen Untertiteln. 

Der junge Alex lebt bei seiner Mutter, doch eigentlich ist er dort genauso wenig anwesend wie in der technischen Schule, die er besuchen sollte. Was ihn beschäftigt, ihn ständig umtreibt, ist die virtuelle Welt des PC-Spiels ‚Quake’. In ihm ist ‚Koss’, so Alex’ Spielername, ein Meister und wird von den jüngeren und unerfahreneren Gamern, die er ein ums andere Mal besiegt, bewundert. Während ihn sein sonstiges Leben kaum zu interessieren scheint, verbringt er jede freie Minute vor dem Computerbildschirm und kommt mit seinem enormen Ehrgeiz immer weiter: Ein begehrtes Spielerteam nimmt ihn auf, bald reist er auf internationale Turniere, gewinnt Pokale und wird zu einer kleinen Berühmtheit in der Szene. Doch irgendetwas fehlt. Hinter seiner gleichgültigen Fassade erhält die Leidenschaft für das Spiel erste Risse. Und wie soll man mit Niederlagen umgehen, wenn es immer ums Gewinnen geht? Ein Coming-of-Age-Drama aus der Ukraine in semidokumentarischem Stil, das sich mit Wertungen zurückhält. Der Regiedebütant Oleg Sentsov zeichnet das packende und ebenso nachdenkliche Porträt eines jungen Mannes, der in seiner Gamerwelt gefangen scheint wie in einer nicht enden wollenden Kindheit. (GoEast Wiesbaden)

Die gesammten Einnahmen von diesen zwei Vorführungen gehen an der Sonder-Fond der Europäischen Filmakademie für OLEG SENTSOV. Um Spenden wird auch gebeten!




Mittwoch, 11. Dezember 2013

Ukraine - Revolution (7)

... und noch mal für meine deutsche Freunden... heute geht es den Ukrainern nicht um den EU-Vertrag, EU-Assoziazion etc. Es geht NUR um diesen Person und seine organisierte kriminelle Vereinigung die sogenannten Partei der Regionen und "ukrainische" Regierung. Sie müssen WEG!!! 
Deswegen stehen die Tausende von Menschen auf der Maydan in Kyiv auch bei -10 Grad Tag und Nachtschon seit fast zwei Wochen. 
Noch vor der Nacht am Samstag den 30. November auf Maydan standen die junge Leute, Studenten für die EU-Assoziazion...  sie hatten noch Hoffnung... und haben ganz bewusst die parlamentarische Opposition  von Maydan ferngehalten. Nach dem Blutigen Sonntag geht es nur um eins -

ER UND SEINE BANDE MUSSEN WEG!
...oder auf English

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Ukraine - die zweite Revbolution (4)

...und noch ein Video, das Lied ist nicht gerade neu und kommt aus Weissrussland



Es gibt gerade in der linke Szene Personen die noch im vergangenen Jahrhundert leben und denken daß die ganze Wahrheit aus Moskau kommen würde.. so wie der Autor dieses Briefes:

"Liebe Freunde von Radio Dreyeckland, am Die 3.12 habe ich mich geärgert. Sie berichten mittags, in der Ukraine gebe es erhebliche Polizeigewalt. Jetzt habe ich am abend zuvor RT.com gesehen, und mitbekommen wie die Demonstranten auf die Bullen losgegangen sind. Würde mich interessieren welche Quellen Ihr habt. Die Hoolligans (finde den Begriff besser) sind auf eine Polizeisperre losgegangen wie ich es nie selbst erlebt habe. Das ist die Szene mit dem Bulldozer gegen die Polizeikette vorfährt. RDL behauptet die Polizei sei auf die Demonstranten losgegangen. Ich bitte Euch mir dazu Informationen als link zuzusenden ( keine blöden Zeitungsartikel). Ihr scheint überhaupt nicht zu begreifen worum es bei der Ukraine geht. Die Demonstrationen in der Ukraine sind nicht unsere Agenda. Wollt Ihr etwa sämtliche Leute in der Ukraine arbeitslos machen, ihre Wirtschaft zerstören, damit Ihr schöne deutsche Autos und Produkte kaufen können?"

Was kann ich dazu sagen.... nur ein Blödman wird die Wahrheit über Ukraine bei Russia Today suchen. Kein denkende Mensch wird putinsche Propaganda wiederholen. Der Autor soll zunächst mindestens jemanden aus Ukraine kennenlernen um die Infos aus der erste Hand zu bekommen, und da, so glaube ich, würde er niemanden von seiner Meinung finden. Vor 80 - 60 Jahren lobten die europäische Linken  noch den Stalin, gerade den Menschen mit wem nur wenigen sich heute in der Nähe stellen möchten. Anscheinend spielt heute Putin die Stalins Rolle in den linken Bewusstsein, nur weil er gegen den Westen ist, und dass ist nicht nur blind, sondern total blöd.

Es gibt hier noch ein Problem meiner Meinung nach und zwar deutsches Empfinden der Ukraine, nämlcih die totale Ignoranz. Man denkt hier immer noch, daß es ein abgespaltenes Teil Russlands ist, das irgendwie unabhängig geworden ist, und die Ukrainer sind einfach die Süd-Russen, weil fast die Hälfte des Landes Russisch spricht. Alle deutsche Korrespondenten, die jetzt angeblich aus Kyiv berichten, haben ihre Akkreditierung  und Wohnsitzt in Moskau, keine von ihnen versteht Ukrainisch kann wieder lesen oder schreiben (ich würde mich gerne irren und korrigieren) in der Landesspache. Damit sind sie total an die russische Medien angewisen, an ihrer sozusagen russischsprachige Umwelt, die allerdings zu mehr als 90% negative zur Ukraine steht.
Wer mehr über aktuelles Geschehen in Kyiv erfahren will, soll sein Glück beim facebook bzw. twitter probieren, da gibt es genug vernunftige Informationen auf Englisch, vielleicht mal auch auf Deutsch.

Zum Beispiel hier ist eine Link von Anders Östlund

und noch eine Link OPEN DEMOCRACY, Tag UKRAINE

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Ukraine - die zweite Revolution (3)

...und noch ein neues Video aus Kyiv
MARIYA BURMAKA und TVI.UA

Mittwoch, 13. März 2013

Dschinghis Khan will Bayern erobern!

Ein Schlagzeuger rockt die CSU  - Titelt heute die Badische Zeitung

Leslie Mandoki, früher einmal Sänger der Band Dschinghis Khan, kandidiert für den bayerischen Landtag – eines von vielen Zeichen für die Modernisierung der Partei......

....Wer hier warten muss, dem wird nicht langweilig. Eine Mitarbeiterin geleitet ins Privatkino, ein ans Haus angebauter Container – zehn rote, komfortable Sitze in drei Reihen darin, eine große Leinwand. Sehr edel, der Film beginnt. In Videosequenzen wird gerockt, Blues gespielt, bombastische Pop-Klangteppiche nehmen den Raum ein. Ein Klassiker nach dem anderen: Locomotive Breath, Papa was a Rolling Stone, Smoke on the Water. ......HIER WEITER LESEN

  DSCHINGHIS KHAN In Star Trek Dekorationen... ich glaube, der künftige Bayrische Landtagsabgeordnete derjenige ist, der am Ende in die Knie geht...
 ...LESLIE MANOKI damals und heute...
Falls die "BZ" Link nicht funktioniert hier ist noch ein von eine andere "badische" namens
"Bitigheimer Zeitung" . Inhalt ist identisch!

Wikipedia zum LESLIE MANDOKI
Offizielle Websete von LESLIE MANDOKI




Dienstag, 27. September 2011

Campaign for the positive affirmation of Roma Identity

Was auf Deutsch schlicht "Medienkampagne gegen Antiziganismus" heissen soll verbirgt sich viel mehr...
Die serbische Band KAL, die schon zwei Alben beim berliner Label "Asphalt Tango" rausgebracht hat, startete etwa vor einem Jahr in Serbien eine Kampagne für Affirmation der Roma Identität. Seine Partner sind dabei MTV Serbien, das serbische Ministerium für Menschen und Minderheitenrechte, und das Center for Affirmation of Roma Culture. Mit dem Thema der Zigeuener nationalen Identitäten beschäftigen sich die Romamusiker von KAL seit ihrem Debutalbm aus dem Jahr 2007. KAL bedeutet in Romani "Schwarz".

Mehr Infos bekommt man bei der offizielle Seite der Band KAL, dor kann man auch ein speziell dazu geschriebenes Lied kostenlos downloaden. Es gibt auch zwei Videos ein zum diesem Lied, das heisst eigentlich "Da li znaš ko sam ja / Ob du weiss, wer ich bin?" und ein kleines Werbespot, das presentiert verschiedene serbische Roma, die in typischen Romas Berufsklisches nicht einpassen, z.B. eine Krankenswester, eine Opernsängärin, einen Bankangestellte, eine Journalistikstudentin und einen Molekularbiologen.
Kampagne startete am 16. Oktober 2010 in Belgrad und soll die Vorurteile gegen Roma auch durch  die bessere Bildung und die Verbreitung der positiven bzw. alternativen Rollen der Roma in der Gesellschaft verbeugen. Mehr darüber liest man hier...

Mittwoch, 6. Juli 2011

"Popiełuszko. Wolność jest w nas" im KoKi Freiburg

Das Freiburger Kommunales Kino zeigt am kommenden Freitag, den 8. Juli den polnischen Film "Popiełuszko. Wolność jest w nas / Die Freiheit ist in uns". Das ist ein relativ neuer Film, dessen Premiere fand am 16 Februar 2009 in der Warschauer Nationaloper statt, seitdem haben in mehr als 1,3 Millionen Menschen angeschaut was hat den "Popiełuszko. Wolność jest w nas / Die Freiheit ist in uns" zu einem der erfolgreichsten polnischen Filme der letzten Jahre. Der Film ein bewegendes Biopic des im Jahre 1984 von der kommunistischen Geheimdienst ermordeten katolischen Priester Jerzy Popiełuszko. Er war nicht nur ein politisch engagierter Priester einer Warschauer Gemeinde, sondern auch eine Kultfigur im Kampf um die geistige Freiheit während des Kriegszustandes in Polen. Fast eine halbe Million Menschen wohnten seiner Beerdigung bei und dies zu einer Zeit, in der in Polen Versammlungsverbot herrschte.
1980 wurde die freie Gewerkschaft Solidarnosc gegründet. Anlässlich der Verleihung der Solidarnosc-Medaille an den früheren Caritas-Präsidenten Georg Hüssler ist der Regisseur des Filmes Rafał Wieczyński zu Gast in Freiburg, an diesem Abend wird er auch im Kommunalen Kino zu Gast sein und stellt sich dem freiburger Publikum zum Gespräch.
Der Film "Popiełuszko. Wolność jest w nas / Die Freiheit ist in uns" wird in Kooperation mit dem Deutsch-Polnischen Kulturverein Freiburg, dem MigrantInnenbeirat der Stadt Freiburg und dem polnischen Generalkonsulat gezeigt. Der Film läuft in Originalfassung, das heisst Polnisch mit dem Deutschen Untertiteln!
Das offizielle Trailer zum Film:

Dieser Film liegt auch auf youtube, allerdings nur in der polnischen Version. Es gibt 16 Teilen von etwa 10-minutigen Länge.


Also:
Freitag, den 8.07. um 19:30 im Kommunalen Kino Freiburg
Regie: Rafał Wieczyński,
Buch: Rafał Wieczyński,
Kamera: Grzegorz Kedzierski,
mit Adam Woronowicz, Marek Frackowiak, Zbigniew Zamachowski, Radosław Pazura
Polen 2009 | OmU | 149 Min.

Montag, 10. Mai 2010

Andre Glucksman über EU, Deutschland, Frenkreich, Rußland und Osteuropa

Ein sehr interessantes Interview, meiner Meinung nach! Die Leserkommentare sind schon etwas Besonderes und bestätigen, daß Glucksman Recht hat...

Philosoph Glucksmann
"Die deutsch-französische Ehe ist am Ende"


Die Krise Europas begann für ihn mit der gescheiterten Ehe zwischen Frankreich und Deutschland. Im Interview auf WELT ONLINE macht der Philosoph André Glucksmann auch Bundeskanzlerin Angela Merkel für die Misere verantwortlich. Ihr Problem: Sie betreibe die gleiche Politik wie früher Gerhard Schröder.

In seiner geräumigen Altbauwohnung im 10. Arrondissement von Paris lebt André Glucksmann unter Büchern. Der 73-jährige Veteran der Straßenschlachten des Pariser Mai und der philosophischen Kämpfe, in denen er fast eigenhändig den mächtigen französischen Marxismus dekonstruierte, wirkt zierlich, beinahe zerbrechlich. Aber er hat sichtbaren Spaß an dem Gespräch, das er auf Deutsch führt. Glucksmann hat es von seiner Großmutter gelernt, die vor den Nazis nach Frankreich floh.

WELT ONLINE: Ende 2009 trat der Lissabonner Vertrag in Kraft. Jetzt wird offen über einen Zerfall der Eurozone, ja, der Europäischen Union spekuliert. Was ist passiert?

André Glucksmann: Die Krise Europas fing früher an. Der Motor Europas, also die deutsch-französische Ehe, funktioniert schon länger nicht mehr, aber die Politiker wollten das nicht zur Kenntnis nehmen. Diese Ehe ist am Ende, weil sich Berlin von Paris verabschiedet und sich Moskau zuwendet. Da liegt die Wurzel des Problems. Das nennt man in Frankreich "le retour aux fundamentaux", die Rückkehr zu den Grundsätzen. Ich meine nicht, wie manche Polen, die Rückkehr zum Hitler-Stalin-Pakt, sondern die Rückkehr zum 19. Jahrhundert.

WELT ONLINE: Das könnte man Gerhard Schröder vorwerfen: das Bündnis mit Putin, die Gazprom-Pipeline Nordstream und so weiter. Aber Sie behaupten doch nicht im Ernst, dass Angela Merkel die gleiche Politik verfolgt?

Glucksmann: Doch. Ich hatte gehofft, dass sie etwas ändern würde, aber Nordstream bleibt, Southstream kommt hinzu, und es gibt andere Sachen. Nehmen wir die Partnerschaft beim Bau von Atomkraftwerken zwischen Siemens und der französischen Firma Areva. Siemens hat sich zurückgezogen und baut jetzt mit einem russischen Oligarchen zusammen Atomkraftwerke. Jetzt machen wir uns also in der ganzen Welt Konkurrenz: Frankreich auf der einen Seite, Deutschland-Russland auf der anderen. Das ist neu. Früher hätten die Regierungen beider Länder für einen Kompromiss gesorgt.

WELT ONLINE: Siemens ist kein Staatsunternehmen. Es kann frei entscheiden, mit wem es kooperiert.

Glucksmann: Natürlich. Aber die Regierungen haben immer einen Einfluss. Sie wollten ihn nicht einsetzen. Doch das ist nur ein Symptom. Europa hat keine gemeinsame Energiepolitik. Und Deutschland arbeitet mit Russland auf dem Energiesektor, obwohl die Ukraine, die Balten, die Polen nicht damit einverstanden waren. Deutschland hat sie erst gar nicht gefragt.

WELT ONLINE: Erweist sich also das Händchenhalten von Kohl und Mitterand in Verdun nachträglich als Illusion?

Glucksmann: Die Politiker haben immer viele Illusionen, und die größte besteht in dem Glauben, dass sie selbst die Geschichte machen. Aber damals war die Einheit ja auch stärker als jetzt. Nehmen wir das Problem Griechenland. Alle Bürger der Eurozone werden dafür zahlen müssen, dass die deutsche Regierung monatelang gezögert hat, den Griechen zu helfen. Und warum? Wegen der Wahl in Nordrhein-Westfalen. Wir Europäer werden jetzt dreimal so viel zahlen müssen, als wir es vor sagen wir drei Monaten hätten tun müssen. Deutschland hat recht, wenn es wenig Begeisterung spürt, für die Griechen zu zahlen. Wir alle haben aber auch recht, wenn wir wenig Begeisterung spüren, für einen deutschen Wahlkampf zu zahlen. Und dahinter steckt, dass Deutschland nicht mehr im Rahmen der EU denkt. Deutschland hat jetzt einen neuen Horizont. In den Medien wird Stimmung gegen Griechenland gemacht. Denn die Zukunft heißt für Deutschland nicht Griechenland. Und auch nicht Frankreich. Sondern Russland - die Modernisierung Russlands. Das ist eine uralte Vision. Sie geht zurück auf die Zarin Katharina die Große, diese deutsche Prinzessin ...

WELT ONLINE: ... deren Porträt auf Frau Merkels Schreibtisch steht.

Glucksmann: Und zwar als einziges Bild. Aber das zeugt von Naivität. Katharina war keine aufgeklärte Despotin. Eine Despotin, ja. Aber aufgeklärt? Dreimal hat sie Polen aufgeteilt. Sie hat gegen die Revolution gearbeitet und gegen die Freidenker in Russland selbst. Die blöden Philosophen der Pariser Salons haben von Katharina geschwärmt. Als Denis Diderot nach Russland ging, war er jedoch gar nicht mehr begeistert und hat das beschrieben. Aber das nur nebenbei. Die Industrialisierung Russlands im 19. Jahrhundert war in der Hand des baltischen Adels und der Deutschen. Das will ich nicht verurteilen, aber es ist naiv, das heute wiederholen zu wollen.

WELT ONLINE: Warum?

Glucksmann: Die Regierung Putin ist problematisch, übrigens nicht sehr unternehmerfreundlich, das wissen alle. Aber es gibt hier eine ideologisch bedingte Naivität. Es verbünden sich einerseits der Pazifismus, also die Friedenssehnsucht, und die Stimmung gegen die Atomkraft - die Kernkraftwerke werden hinter dem Ural gebaut, und Deutschland lebt atomfrei von russischem Gas und Erdöl. Nicht von Atomstrom wie Frankreich. Und andererseits das Geschäftsinteresse. Hier sehen wir ein strategisches Bündnis zwischen den Grünen und der Industrie. Es ist eine Art Neokolonialismus, der den Zynismus des Kremls unterschätzt und glaubt, dass Modernisierung Demokratie bedeutet.

WELT ONLINE: Im Vorfeld des Irak-Kriegs 2003 haben die Philosophen Jacques Derrida und Jürgen Habermas angesichts des europäischen Widerstands die Wiedergeburt Europas verkündet. Schafft sich Europa nur eine Identität, wenn es gegen Amerika geht?

Glucksmann: Derrida war naiv. Er kannte die Situation in Deutschland nicht. Und Habermas war mit der deutschen Einheit aus der Geschichte gefallen und wollte sich ins Spiel bringen. Aber wenn Sie mich fragen, worin die Idee Europas besteht, so antworte ich: Am Anfang gab es drei Ideen. Erstens: Nie wieder Hitler, also nie wieder extremer Nationalismus und Rassismus. Zweitens: Kampf gegen den Kommunismus. Und drittens: Schluss mit dem Kolonialismus. Wer in die EU kam, gab seine Kolonien auf: Frankreich, Holland, Spanien, Portugal, auch Großbritannien. Nach dem Fall der Mauer glaubt man, dass diese Ideen nicht mehr tragen. Aber es gab eine vierte Idee, und die hat zum Fall der Mauer geführt. Es war die Idee einer neuen Art von Revolution, die im Westen alle Reste vom Faschismus hinwegfegte, in Portugal und Spanien ...

WELT ONLINE: ... und Griechenland.

Glucksmann: Genau. Im Ostblock ging das von Berlin 1953 über Ungarn und Polen 1956, den Prager Frühling 1968, die Dissidenten in Russland und so weiter. Das wurde zwar alles unterdrückt. Aber von Revolte zu Revolte und von Repression zu Repression kam es schließlich zum Fall der Mauer. Und es geht weiter: Denken Sie an die Ukraine, an Georgien, aber auch an den Iran. Es handelt sich um eine neue Art von Revolution. Sie soll erstens so unblutig wie möglich sein, während es früher, von der Französischen Revolution über die bolschewistische bis zu den Maoisten so blutig wie möglich zugehen sollte. Sie soll zweitens eine Revolution von der Mehrheit für die Mehrheit sein, nicht mehr eine Revolution kleiner Gruppen wie bei den Jakobinern oder Leninisten. Drittens ist sie nie zu Ende. Es handelt sich nicht um den Eintritt ins Paradies, sondern um den Austritt aus der Hölle. Es geht darum, wie mein Freund Vaclav Havel sagte, nicht mehr in der Unwahrheit zu leben. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat Europa der ganzen Welt die totalitäre Revolution und den totalen Krieg beigebracht. Und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam aus Europa dieses Gegengift gegen das Paradigma der ersten Hälfte.

WELT ONLINE: Und was wäre Europas Beitrag für das 21. Jahrhundert?

Glucksmann: Es müsste sein: Solidarität mit der Freiheit. Im ganzen Osten kämpfen viele Menschen für die Freiheit, in Russland, in Kaukasien, in der Ukraine.

WELT ONLINE: Da haben wir gerade verloren. Die neue Regierung hat ein Abkommen mit Russland geschlossen, das es der russischen Kriegsmarine gestattet, ein weiteres Vierteljahrhundert auf der Krim zu bleiben.

Glucksmann: Aber warum haben wir die Ukraine verloren? Weil wir die Ukrainer allein gelassen haben. Natürlich haben die Ukrainer Fehler gemacht. Aber die Revolution ist nie leicht, und niemand ist ein Engel. Europa ist müde. Und übrigens war in Westeuropa die Unterstützung der Dissidenten in Osteuropa die Sache einer Minderheit. Das weiß ich, weil ich dabei war. Die neue Idee der friedlichen Revolution ist vielen nicht bewusst. Man sah es bei den Feiern zum 20. Jahrestag des Mauerfalls in Berlin. Man sprach von der Rolle der Politiker. Nur Lech Walesa hat die Rolle der einfachen Leute betont.

WELT ONLINE: Nun aber wählen die einfachen Leute überall nationalistische und fremdenfeindliche Gruppierungen: Fidesz in Ungarn, Geert Wilders in den Niederlanden. Man macht Stimmung gegen Griechenland in Deutschland ...

Glucksmann: ... und antideutsche Stimmung in Griechenland und anderswo. Überall kommt die Fremdenfeindlichkeit wieder. Nicht nur gegen Einwanderer, gegen Muslime. In Frankreich gab es zur Zeit der Abstimmung über die Verfassung eine Kampagne gegen die Polen. Die Länder Europas sind kulturell sehr verschieden. Und wenn wir keine Idee von der Zukunft Europas haben, kommen die alten Dämonen zurück.

WELT ONLINE: Was muss Europa also tun?

Glucksmann: Wir müssen eine gemeinsame Energiepolitik entwickeln, wir müssen gemeinsam die Krise überwinden. Wir müssen die Unabhängigkeit von Georgien und anderen Staaten unterstützen und müssen uns trauen, Putin zu kritisieren. Sonst versinkt die EU in einen Winterschlaf, der mehr als einen Winter dauern kann.

WELT ONLINE: Das klingt sehr pragmatisch. Ich dachte mehr an ein Manifest der Intellektuellen über Europas Werte.

Glucksmann: Wenn sich Europa einigt, dann ist das nie über die Werte. Jedes Land hat diverse Werte, und kein Land hat die gleichen Werte wie ein anderes. Zum Beispiel hat Frankreich mit der "laicité" eine ganze andere Auffassung vom Verhältnis von Kirche und Staat als Deutschland oder England. Wir einigen uns nur gegen etwas. Im Kalten Krieg war es leicht. Jetzt gibt es nicht einen Feind, sondern viele Formen der Gegnerschaft. Wir müssen uns darüber verständigen, wer das ist und was das für uns bedeutet. Russland ist kein Feind, aber eine Unsicherheit.

WELT ONLINE: China?

Glucksmann: Das ist eine ferne Unsicherheit am Ende des Jahrhunderts.

WELT ONLINE: Der Islamismus?

Glucksmann: Nicht der Islamismus an sich, aber der extreme Islamismus - das ist eine Gefahr, ja.

WELT ONLINE: Aber nicht die Hauptgefahr?

Glucksmann: Von Zeit zu Zeit ja. Etwa zur Zeit der Anschläge in New York. Aber nicht immer. Die Russen unterstützen die Iraner, und die USA haben zeitweise die Vorläufer der Taliban gegen die Russen unterstützt. Man muss heute eben sehr konkret diskutieren, es ist nicht die Zeit für Manifeste. Ich würde gern fragen, warum die Intellektuellen zehn Jahre lang zu Putins zweitem Tschetschenien-Krieg geschwiegen haben. 200 000 Opfer hat dieser Krieg gekostet, darunter 50 000 Kinder, aus einem Volk von einer Million Menschen. Warum war Europa so stumm? Und an die Christen hätte ich die Frage: Warum hat die katholische Kirche bis heute zum Völkermord in Ruanda geschwiegen? Ruanda war ein katholisches Land. Und in den Kirchen und Missionsschulen haben Priester die Leute selektiert und die Tutsi den Mördern überlassen. Es ist das erste Mal in der Weltgeschichte, dass ein Völkermord unter Angehörigen derselben Religion stattgefunden hat. Johannes Paul II. war vor dem Genozid in Ruanda und hat das Land dem König Christus geweiht. Das letzte Land, das auf diese Weise geweiht wurde, war Spanien vor dem Bürgerkrieg. Das wirft Fragen auf. Ich bin kein Freund von Päderasten. Es ist gut, dass darüber gesprochen wird. Aber Ruanda wirft wichtigere und gefährlichere Fragen auf. Und da wird geschwiegen. Da sehe ich eine Aufgabe von Intellektuellen und Journalisten: die Dinge anzusprechen, über die geschwiegen wird.

WELT ONLINE