Viele Kritiker glaubten nicht an einen Erfolg. Gerade in der Ukraine, dem Land das bis heute verzweifelt mit schleichender Russifizierung kämpft, sagten sie, dass niemand sich so ein Buch kaufen würde, wenn es schon die russischen Übersetzungen gibt. Malkovich wagte es, diese Situation zu ändern und er hatte recht. Es hat funktioniert! Heute überstieg die Gesamtauflage aller Potterbücher auf Ukrainisch eine Million, und J.K.Rowling ließ sich mit der ersten Übersetzung ihres siebten Bandes fotografieren (ganz nebenbei wäre anzumerken, dass die russische Ausgabe erst am 13. Oktober erscheint).Neben MALKOVICH muss man zwei weitere Namen nennen, ohne die es nie möglich wäre, eine der besten Potter-Reihen in der Welt zu machen. Das sind die Übersetzer VIKTOR MOROZOV und der Illustrator VLADISLAV JERKO.
VIKTOR MOROZOV, der zwischen seiner Heimatstadt Lviv (Lemberg) und dem kanadischen Toronto pendelt, wurde schon im Jahr 1971 bekannt, als seine Folk-Beat-Band ARNIKA große Popularität in der damaligen Ukraine, aber auch in der restlichen UdSSR erlangte.

Er war einer der ersten, denen es gelang, die ukrainische Folklore mit den neuen westlichen Rhythmen zu verschmelzen. Grob gesagt, war er eine Art ukrainischer GORAN BREGOVIC, der sich im Sowjetsystem leider nicht entwickeln konnte, weil die Rockmusik in Breschnews Reich verboten war. Bis jetzt macht er Musik, aber eher als ein Hobby, sein zweites Talent offenbarte sich in Literaturübersetzungen, denen er seine Hauptzeit widmet. Außer aus dem Englisch übersetzt er auch aus dem Portugiesischen, unter anderem Paolo Coelho’s Roman „Der Alchimist“. Interessantes zu seinen Übersetzungen findet man hier (auf Englisch). In gewissem Sinne ist Morozov sich aber treu, er war und bleibt Vermittler zwischen der Westlichen und Ukrainischen Kultur, egal ob es um Musik oder Literatur geht.
Die „Harry Potter“ Bücher wurden in 61 verschiedene Sprachen übersetzt, von Albanisch bis Zulu, die meisten Ausgaben benutzten aber die Covers der amerikanischen Künstlerin Mary GrandPré, weil nur wenige Verlage J. K. Rowling mit eigenen Umschlagsentwürfen überzeugen konnten. Der Kiewer Graphiker VLADISLAV JERKO konnte es. Seine Potter-Covers zählen zu den besten in der Welt, sein Ruhm begann aber schon früher.

Jerko hat selber in einem Interview verraten, dass es gerade Malkovich war, der ihn überredete als Kinderbuchillustrator zu arbeiten und ihn in seinen Verlag einlud. Das war Mitte der 90er, seitdem bekam er zahlreiche Auszeichnungen für seine Werke. Sogar die Russen mit ihrem Kulturchauvinismus interessieren sich für die Bücher, die Jerko illustriert hat. Hoch gelobt wurden seine Arbeiten zu Büchern von Carlos Castaneda, zum „Alchemist“ von Coelho (die besten in der Welt, so sagte Coelho selbst) und vielen anderen. Hier gibt es ein paar Scans von Jerkos Bildern zur „Schneekönigin“ von Andersen und zu Englischen Märchen. Verschiedene Potter-Covers von Vladislav Jerko findet man auch hier.
Zwar habe ich die ganze Reihe schon längst durch gelesen, überlege mir aber gerade alle 7 Bände von А-БА-БА-ГА-ЛА-МА-ГА zu bestellen, einfach so, der Buchkunst halber.

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